Kandidatur als Mainzer Oberbürgermeisterin

Liebe Mainzerinnen und Mainzer,

ich bewerbe mich um das Amt der Oberbürgermeisterin unserer Stadt.

Mainz ist eine tolle Stadt. Mainz verbindet Geschichte und Tradition mit Weltoffenheit und Toleranz. In Mainz gibt es Fassenacht und Unterhaus, bodenständiges Handwerk, mit den Medien den Blick in die Welt und mit der Wissenschaft den Blick in die Zukunft. Den hatte die Gutenbergstadt schon immer. Mainz ist Heimat für viele, auch für viele Zugezogene – und die Weggezogenen, die gerne zurückkommen. Sie alle kommen gern auf Festen oder beim Wein zusammen. Mainz hat eine lebendige Zivilgesellschaft, die sich für ihre Stadt engagiert. Mainz ist auch ein guter Ort für Familien, denn die Stadt ist überschaubar und hat kurze Wege, auch in die Rhein-Main-Region.

Mainz hat also alle Zutaten für ein gutes Leben. Es zeigen sich aber viele Herausforderungen für die Stadt. Die können wir lösen. Es geht beim höchsten Amt der Stadt darum, Perspektiven zu eröffnen, wie sich die Stadt weiterentwickeln muss. Es geht darum, nicht den Mangel zu verwalten, sondern die Zukunft zu gestalten. Veränderungen eröffnen Chancen, die wir ergreifen müssen, damit wir das erhalten, was wir an Mainz liebens- und lebenswert finden.

Was sind die Herausforderungen?

Unsere Welt verändert sich rasant, Mainz wächst, die Mieten steigen, die Mobilität nimmt zu, und damit auch die Lärm- und Luftbelastungen, der Klimawandel erwärmt die Stadt und die Digitalisierung bestimmt immer mehr unser alltägliches Leben. Wir brauchen mehr Kitaplätze, gut ausgestattete Schulen, Großprojekte müssen trotz knapper Kassen gestemmt werden.

Gleichzeitig beobachten wir neue Konflikte. Es verändern sich nicht nur die Sozialstrukturen, sondern auch das gesellschaftliche Klima. Diese Entwicklung darf man nicht treiben lassen, sondern der Oberbürgermeister oder die Oberbürgermeisterin muss sie im Sinne ihrer Bürgerinnen und Bürger steuern und gestalten. Da will ich ansetzen.

Es stehen also wichtige Weichenstellungen an. Wie können wir ein Umfeld schaffen, in dem Kinder gesund aufwachsen und Menschen gut leben können. Wird Mainz endlich zur digitalen Stadt und nutzt die Möglichkeiten für eine zukunftstaugliche Energie und Verkehrswende oder betritt die Stadt samt Verwaltung hier noch ewig Neuland?

Bauen wir große Wohnklötze, die schon in 30 Jahren neue Altlasten sind? Oder schaffen wir es, Flächen besser zu nutzen und das Stadtbild zu erhalten? Und werden Projekte entwickelt, die der lokalen Wirtschaft helfen? Lassen wir unsere Museen weiter verfallen oder nutzen wir das Potenzial der vielen Kreativen bis hin zu den großen Medienhäusern von SWR und ZDF in der Gutenbergstadt?

Wie wollen wir diese Herausforderungen meistern?

In den Herausforderungen liegen auch Chancen, die es zu erkennen und zu nutzen gilt. Damit zukünftig nicht nur gutsituierte Bürgerinnen und Bürger in der Innenstadt leben können, muss die Stadt bezahlbaren Wohnraum schaffen und erhalten. Ich werde als Oberbürgermeisterin dafür sorgen, dass wir in Neubaugebieten den verbindlichen Anteil sozial-geförderten Wohnraums noch einmal erhöhen. Es ist gut, dass die Ampel-Koalition diesen Anteil gegen Widerstand auf 25 Prozent erhöht hat. Mein Ziel als Oberbürgermeisterin wären mindestens 30 Prozent. Zudem sollten wir unsere Flächen nicht meistbietend veräußern, sondern mit den städtischen Gesellschaften entwickeln, damit wir Wohnraum zu deutlich niedrigeren Preisen anbieten können.

Mieterinnen und Mieter, die von Kündigungen betroffen sind, sollen sich in der Stadtverwaltung über rechtliche Möglichkeiten informieren können und Unterstützung bekommen. Das allein wird nicht reichen. Denn wir können auch nicht alle Flächen bebauen und versiegeln, sondern wir müssen Flächen effizienter nutzen. Eine Anhörung im Bundestag hat gezeigt, dass wir die Möglichkeiten von Dachausbau und Aufstockung für den Wohnungsbau verstärkt nutzen sollten. Ein Ausbau alternativer Wohnformen schafft selbst nach Auffassung der Bundesregierung zusätzliche Kapazitäten auf dem Wohnungsmarkt und leistet somit einen Beitrag zur Verbesserung der Wohnungssituation in Ballungsgebieten und den Universitätsstädten. Das fördert auch den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Mainz baut. Das ist gut. Neue Quartiere brauchen Orte der sozialen Begegnung, und sie dürfen nicht einfach nur schnell hochgezogen werden in der Hoffnung, dass es irgendwie auch hübsch aussieht. Die Planungen müssen transparent sein, und die Ideen der zukünftigen Mieterinnen und Mieter sollten dort mit einfließen. Zudem will ich genossenschaftliches Bauen unterstützen.

Stadtentwicklung und Stadtplanung müssen in der Verwaltung transparent und Hand in Hand Projekte entwickeln und umsetzen. Das ist eine ganz konkrete Verantwortung einer Oberbürgermeisterin.

Wichtig ist mir dabei auch: Eine Stadt ohne Kunst ist keine Stadt. Künstler halten einer Stadt den Spiegel vor, sie befördern den gesellschaftlichen Dialog. Aber die Kunst in der Stadt hat sich seit den 70er Jahren nicht mehr weiterentwickelt. Dabei verändern wir mit jedem baulichen Eingriff das Gesicht der Stadt und damit auch die Vorstellung von dem, was Mainz ist und in Zukunft sein wird.

Wir brauchen deshalb eine kritische Bestandsaufnahme der Kunst im öffentlichen Raum. Ich möchte mit dem Kunstbeirat und Fachleuten die Einrichtung eines Beirats oder eines Stadtkurators prüfen, der sich mit dem Öffentlichen Raum auseinandersetzt und die Stadtplanung begleitet. 

Wohnen, Arbeiten und Mobilität müssen miteinander verbunden werden. Dazu braucht es eine kluge, integrierte und ressortübergreifende Planung. Und dazu gehört eine zielführende Aufgabenverteilung und eine bessere Koordination. Das will ich mir als Oberbürgermeisterin als erstes vornehmen.

Damit komme ich zu meinem zweiten Schwerpunkt: Ich komme ursprünglich aus der Familienpolitik. Damit hat mein politisches Engagement in Mainz begonnen, als ich damals händeringend einen Krippenplatz für meine Tochter suchte. Der Ausbau ist weiterhin wichtig, aber nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ. Dabei geht es auch um pädagogische Konzepte oder gesundes Essen in Kitas und Schulen. Als Oberbürgermeisterin möchte ich einen Ernährungsrat ins Leben rufen. Die Eltern sollen mitentscheiden können, was ihre Kinder zu essen bekommen. Und wir können sie zusammenbringen mit Erzeugern aus der Region, also der lokalen Wirtschaft. Für eine nachhaltige, gesunde Ernährung unserer Kinder.

Gesund leben in Mainz bedeutet auch weniger Lärm. Seit ich in Mainz wohne, habe ich mich vor allem für die Reduzierung des Flug- und Bahnlärms eingesetzt, im Bundestag habe ich dazu viele Initiativen gestartet.

Mobilität und Digitalisierung sind zwei wichtige Zukunftsthemen. Beides gehört für mich zusammen. Wir brauchen mehr Mobilität und weniger Verkehr in der Stadt. Deshalb muss der ÖPNV attraktiv sein, damit mehr Menschen umsteigen. Mainz soll eine Fahrradstadt werden, das unterstütze ich ausdrücklich – auch für den überörtlichen Verkehr. Und wenn mehr Menschen das Auto stehen lassen, ist auch das eine Win-Win-Situation, die Straßen werden entlastet, und davon profitieren diejenigen, die auf das Auto nicht verzichten können.

Die digitalen Möglichkeiten können für eine bessere und fahrgastfreundliche Vernetzung der verschiedenen Verkehrsträger sorgen. Mainz muss Smart City werden. Das ist gut für den Wirtschaftsstandort und gut fürs Klima. Deshalb muss der Ausbau des schnellen Internets auch hier vorangetrieben werden.

Mainz braucht einen Platz, wo sich junge Kreative und digitale Entwickler mit den Unternehmen vernetzen, um gemeinsam digitale Lösungen zu erarbeiten. Die dafür notwendigen Daten muss auch die Verwaltung – natürlich mit dem höchsten Datenschutzniveau – zur Verfügung stellen. Von digitalen Städten wie Darmstadt können wir lernen. Das will ich als Oberbürgermeisterin befördern.

Neben den großen Fragen wie Klimawandel, Digitalisierung, Wohnungsbau oder gute Ernährung sind es in der Lokalpolitik immer auch die vielen kleinen Dinge vor Ort, um die es geht. Und ich glaube, dass es in Zeiten, in denen sich immer mehr Menschen von der Politik und sogar der Demokratie abwenden, wichtig ist, sich gerade auch um diese alltäglichen Dinge zu kümmern. Wir überzeugen Menschen am besten von Demokratie, indem Demokratie für sie funktioniert. Reibungslose Abläufe in der Stadtverwaltung und bei den Ver- und Entsorgern sind Beispiele dafür.

Bei dieser Wahl geht es um Wohnraum und Mobilität, um die digitale Stadt, den Wirtschafts- und Medienstandort Mainz. Es geht darüber hinaus aber auch ganz grundsätzlich um den Zusammenhalt in dieser Stadt und um den Ausgleich von Interessen. Und es geht um einen Politikstil, der Menschen mitnimmt und nicht ausgrenzt, der Entscheidungen herbeiführt und nicht aussitzt, der nicht nur verspricht, sondern auch liefert.

Wie will ich es machen?

Ich sehe meine Kandidatur als Einladung und Angebot. Ich lade alle Mainzerinnen und Mainzer ein, mich persönlich kennenzulernen und über Ideen für diese Stadt zu reden. Politische Lösungen werden in einem gemeinsamen Prozess erarbeitet. Ich will zu den Bürgerinnen und Bürgern gehen und vor Ort erfahren, wo der Schuh drückt und welche Vorschläge die Menschen selbst haben. Diese Vorschläge und meine Leitideen will ich mit den Ressorts der Stadtverwaltung diskutieren und ressortübergreifende integrierte Gesamtlösungen entwickeln. Dafür will ich im Rat Mehrheiten gewinnen. Nicht zuletzt will ich die Entscheidungen beherzt und entschieden umsetzten. Die Kompetenzen, die ich in meinem beruflichen und politischen Leben als Journalistin, als leitende Redakteurin, als Stadträtin und Ortsbeirätin, als Aufsichtsratsmitglied, als Bundestagsabgeordnete und als berufstätige Mutter erworben habe, kann ich dabei einbringen. Und nicht zuletzt werden mir meine Erfahrungen als Mensch mit Erfolgen und Niederlagen dabei helfen. Sie haben mich geformt und mir immer wieder die Kraft gegeben, mit Überzeugung und Leidenschaft weiterzugehen.

Ich bin bereit, Verantwortung für Mainz zu übernehmen.

Ich freue mich über Ihre Unterstützung!

Ihre Tabea Rößner

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  1. Hans Oberhaus

    Frau Rößner, Sie möchten Mainz zur Fahrradstadt machen. Gut und schön! Aber in Mainz leben auch sehr viele ältere Menschen mit Behinderungen, die gar nicht oder nur kurze Strecken mit dem Fahrrad fahren können. Die Zahl dieser Menschen steigt in den nächsten Jahren kontinuierlich an. Inwieweit berücksichtigen Sie diesen Anteil der Bevölkerung in Ihren Überlegungen ?
    Ausserdem schreiben Sie, dass Sie Ihre Kompetenzen als leitende Redakteurin, Stadträtin, Ortsbeirätin, Aufsichtsratsmitglied, Bundestagsabgeordnete und als Mutter einbringen können. Wieviel Kompetenz bleibt da noch für einen Fulltime Job als Oberbürgermeisterin von Mainz übrig ?? Da kommen mir so meine Zweifel, ob das reicht.
    H.Oberhaus

    Antworten
    • Tabeas Rößner

      Sehr geehrter Herr Oberhaus,
      vielen Dank für Ihre Anfrage. Verstehen Sie mich nicht falsch: Dass Mainz eine Fahrradstadt werden soll, bedeutet ja nicht, dass jeder Mensch mit dem Fahrrad fahren soll. Aber wenn in der Stadt mehr Menschen auf das Fahrrad umsteigen, weil der Verkehr fahrradfreundlicher ist, profitieren natürlich auch diejenigen davon, die auf das Auto angewiesen sind. Und dazu gehören natürlich ältere Menschen oder Menschen mit Behinderungen.
      Zu der zweiten Frage: Ich habe diese Kompetenzen in meinen bisherigen Tätigkeiten erworben und Lebenserfahrung gesammelt. Meine Kinder sind inzwischen erwachsen, ich bringe knapp 20 Jahre Berufserfahrung außerhalb der Politik mit und habe im politischen Leben auf den unterschiedlichsten Ebenen – zunächst ehrenamtlich im Ortsbeirat und Stadtrat – und seit 10 Jahren als Mitglied des Bundestags meine Erfahrungen gesammelt. Natürlich werde ich mein Mandat als Bundestagsabgeordnete niederlegen, falls ich als Oberbürgermeisterin gewählt werde. Denn dieses Amt verlangt allen Einsatz.
      Ich hoffe, ich konnten Ihnen Ihre Fragen beantworten.
      Herzliche Grüße
      Tabea Rößner

      Antworten
  2. Achim Lattrell

    Hallo Tabea,
    wäre ich ein Mainzer, so würde ich dich tatkräftig bei dieser Wahl unterstützen.
    A. Lattrell aus der pfalz

    Antworten

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